Neubaustrecke
Mattstetten - Rothrist
Die
Neubaustrecke Mattstetten – Rothrist auf der Schweizer Haupt-Eisenbahnachse
Ost-West ist auf eine Geschwindigkeit von 200 km/h ausgelegt. Die aus dem
Betrieb sich ergebenden Anforderungen an die Fahrbahn waren deshalb hinsichtlich
Sicherheit und Verfügbarkeit besonders hoch.
Fahrbahn allgemein
Die doppelspurige Neubaustrecke mit
einem einspurigen Ast in Richtung Solothurn umfasst 94’100 m Gleis und 3
Schnellfahrweichen. Dabei sind zwei kleinere Stationsanlagen auf dem Ast
Richtung Solothurn nicht berücksichtigt. Der grösste Teil der Neubaustrecke
(76'100 m) wurde als klassischer Schotteroberbau mit lückenlos
verschweissten Gleisen gemäss den einschlägigen Reglementen und Weisungen der
SBB ausgeführt. Zwecks hoher Stabilität weist die Schotterflanke eine verstärkte
Schulter auf. In den drei langen Tunnels Emmequerung, Oenzberg und Murgenthal
kam auf insgesamt 18'000 m die bewährte Feste Fahrbahn vom Typ "SBB-Bözberg" zur Anwendung.
Bei der Planung der Fahrbahn für die
auf 200 km/h ausgelegte Strecke wurde auf zwei Aspekte der Oberbaugestaltung
besonderen Wert gelegt:
 | möglichst einheitliche Ausführung auf der Gesamtstrecke |
 | kontinuierliche Oberbausteifigkeiten |
Dadurch wurde die Gesamtstrecke in
gleich hoher Qualität hergestellt. Die hervorragende Lagegenauigkeit und
Stabilität des Gleises reduziert den späteren Unterhaltsaufwand für die
Hochgeschwindigkeitsstrecke deutlich.
Hinsichtlich Fahrbahntechnik weist die
Neubaustrecke einige Besonderheiten auf:
 | Erstmals
wurden in der Schweiz in grösserem Umfang (16'800 Gleismeter) besohlte
Betonschwellen eingebaut. |
 | In
drei Tunnels wurde die Feste Fahrbahn dank optimaler Einbautechnik in
rekordverdächtiger kurzer Bauzeit und hervorragender Lagegenauigkeit
eingebaut. |
 | Die
drei Schnellfahrweichen in der einzigen Abzweigung bei Wanzwil, mit
Regelgeschwindigkeit auf beiden Ästen
von 200 km/h, sind die grössten je
in der Schweiz eingebauten Weichen. |
 | Für
den Erschütterungsschutz kamen drei unterschiedliche Systeme, nämlich
Schwellenbesohlung, Unterschottermatten und Masse-Feder-Systeme zum Einsatz. |
Schwellenbesohlung
Grund für den Projektvorschlag der
Ingenieurgemeinschaft MATRO einen Teil der Schwellen besohlt auszuführen, waren
längere Streckenabschnitte mit unmittelbarer Auflagerung des Schotters auf
hartem Untergrund (Wannen oder Tagbautunnel mit Betonsohle, Brücken, Tunnel mit
hoch verdichteter Kiesauffüllung). Die Erfahrung zeigt, dass in derartigen
Situationen der Schotter einem hohen Verschleiss ausgesetzt ist.
Die bewährten und kostengünstigen
Schienenbefestigungen und Betonschwellenbauarten konnten unverändert
beibehalten werden. Der Querverschiebewiderstand ist hoch und gleichmässig.
Hinsichtlich Spurhaltung, Schienenneigung etc. bleiben die Vorteile der normalen
Betonschwelle erhalten.
Bei der Auswahl des geeigneten Produktes
standen folgende Gesichtspunkte und Anforderungen im Vordergrund:
 | Produkt,
das sich im Betrieb bei Bahngesellschaften der Nachbarländer bewährt hat |
 | Ausgewiesene
Wirkung hinsichtlich Reduktion der dynamischen Schotterbeanspruchung |
 | Reduzierung
der in den Untergrund übertragenen Schwingungen (Schwingungsdämmung) im
Vergleich zu einem Gleis ohne Schwellenbesohlung |
 | Schieneneinsenkung
unter Gebrauchslast, gemessen im Feldversuch < 2mm |
 | Hohe
Gleislagestabilität |
 | Verfügbare
Kennwerte des Produktes, Messergebnisse über Einsenkungen |
Die Entscheidung fiel schliesslich auf
ein Produkt von Getzner Werkstoffe GmbH.
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Die besohlten Schwellen erfordern bei
Unterhalt und Erneuerung zwar einen sachgerechten Umgang, um Beschädigungen der
Besohlung zu vermeiden, aber die üblichen maschinellen Verlege- und
Instandsetzungsverfahren sind problemlos anwendbar. Um die Verträglichkeit
mit mechanisierter Stopfung des Gleises und der dynamischen Gleisstabilisierung
nachzuweisen, wurden einige Schwellen mit Schwellenbesohlung nochmals ausgebaut
und der Zustand der Besohlung überprüft. Es gab seitens der
beteiligten Experten des Bauherrn und des Bundesamtes für Verkehr keine Einwände.
Die dynamischen Eigenschaften wurden am
ersten eingebauten Abschnitt mit Schwellenbesohlung geprüft. Die Einsenkung
wurde mittels Schwingungssensoren auf den Schwellen gemessen.
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Im Bereich der Weichen wurde auf einen
Einsatz von Schwellenbesohlung verzichtet, da zum Zeitpunkt der Entscheidung
einzig in Frankreich eine Weichenschwellenbesohlung bekannt war und auch dort
nur punktuell eingesetzt wurde. Daher waren die derzeit vorhandenen Erfahrungen
diesbezüglich zu gering. Um trotzdem eine kontinuierliche Bettung und geringe
Setzungsdifferenzen im Weichenbereich zu gewährleisten, wurde empfohlen unter
allen drei Schnellfahrweichen eine relativ harte Schotterschutzmatte einzubauen.
Diese wurde so dimensioniert, dass die Fahrbahnelastizität des Weichenbereichs
möglichst ähnlich derjenigen des angrenzenden Bereiches mit oder ohne
Schwellenbesohlung ist.
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Für kleinere Abschnitte (Bauwerkslänge
< 25 m), in denen aus fahrbahndynamischen Gründen keine ausreichende
Unterbau-Elastizität vorhanden war und Schwellenbesohlung aus logistischen Gründen
nicht sinnvoll war, wurden nach bewährter Methode ebenfalls
Schotterschutzmatten eingesetzt.
Die SBB hat dem Konzept zur Schwellenbesohlung zugestimmt,
sodass auf der Strecke Mattstetten-Rothrist jetzt ca. 28’000 Schwellen mit
Schwellenbesohlung ausgerüstet sind.
Feste Fahrbahn
Als
Feste Fahrbahn kam die in der Schweiz seit 1966 im Bözbergtunnel im Einsatz
stehende Bauart mit Zweiblockschwellen und Spurstange zum Einsatz.
Grund für die Wahl dieser Variante ist die langjährige gute Erfahrung mit dem
System, namentlich im sehr stark belasteten Heitersbergtunnel westlich von Zürich,
der seit 1975 ohne nennenswerte Verschleisserscheinungen (ausgenommen ein
Schienenwechsel nach 15 Jahren und ein Wechsel der Zwischenlagen nach 19 Jahren)
in Betrieb steht. Das System beruht
auf einer betonierten Fahrbahnplatte ohne Bewehrung mit zwei ausgesparten
Rinnen, in die später die Schwellen vergossen werden. Die Zweiblockschwellen
werden vormontiert zusammen mit dem Gummischuh geliefert und eingebaut. Beim
Einbau ist neben der genauen Gleislage darauf zu achten, dass die Schwellenblöcke
möglichst vollständig, d.h. ohne Blasenbildung untergossen werden.
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Dafür
wurde von der ausführenden Firma ein neuartiger Fertiger, der in ähnlicher
Form schon bei der Neubaustrecke Rhein-Main verwendet wurde, eingesetzt. Dieser
Fertiger erlaubte zusammen mit der hochpräzisen Gleisrichttechnik eine sehr
rationelle Bauweise und eine sehr genau Lage des fertigen Gleises.
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Die
Abnahmemessungen zur Gleislage ergaben, dass die vorgegebenen Toleranzen zu 100%
eingehalten und sogar deutlich unterschritten wurden. Die Überhöhung hat eine
Durchschnittsabweichung von +/- 0.9 mm, zulässig war +/- 2.0 mm.
Schnellfahrweichen
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Obwohl bei anderen europäischen Bahnen,
wie beispielsweise in Frankreich, Spanien, Italien und Deutschland, bereits
Hochgeschwindigkeitsweichen für Geschwindigkeiten in der Abzweigung von 200
km/h im Einsatz stehen, war bei der Festlegung der Weichentechnik auf die
Besonderheiten des Betriebes (gemischter Verkehr mit Güter- und Personenzügen)
Rücksicht zu nehmen. Zusätzlich galt es die Regelungen hinsichtlich
Interoperabilität im europäischen Schienennetz zu berücksichtigen.
Weichenlieferant ist die Firma VAE
Eisenbahnsysteme GmbH. Die drei Weichen haben folgende Bezeichnung:
EW VI-12000/6100-1:42. Die gesamte Baulänge jeder Weiche beträgt rund 161
Meter. Das längste Bauteil ist die Zungenvorrichtung mit rund 64 Metern Länge
und einem Gewicht von 10 Tonnen. Das bewegliche Herzstück mit einer Länge von
22 Metern hat ein Einbaugewicht von 7.5 Tonnen. Jede Weiche hat insgesamt 19
Kastenschwellen mit 8 elektrohydraulischen Weichenantrieben an den Zungen und 3
Antrieben am Herzstück. Die anderen Kastenschwellen sind zur Unterbringung der
8 Zungenprüfkontakte. Antriebe und Zungenprüfer wurden von der Firma ALCATEL
geliefert und montiert. Nebenstehendes Bild zeigt die Spaltweiche beim Übergang
Doppelspur – Einspurstrecke. Dieser Abschnitt wird mit 200 km/h befahren.
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Weitere Bilder und Informationen, auch zu den anderen
Projektbeteiligten gibt es unter www.matro.ch
und in der Publikation im Eisenbahningenieur
(EI) vom Juli 2004.