In den beiden Einspurröhren des Tunnels stehen für
die Fahrbahn im Querschnitt Platz von 3.34 m x 0.58 m zur
Verfügung. Aussparungen im seitlichen Bankett sind
aufgrund der Kabelrohrblöcke nicht möglich. Auf diesem
begrenzten Raum ist alles für die Fahrbahn relevante
unterzubringen: Schiene, Schwelle,
Entwässerungs-Kontrollschacht in Gleismitte, seitlicher
Einlaufschacht, bei den Spurwechseln zusätzlich
Weichenantriebe, Zungenprüfer und die Sensorik des
Weichendiagnosesystems. Spätere Gebirgsdeformationen (örtliche
Sohlhebung bis zu 5 cm) müssen mit einfachen
Regulierungsmöglichkeiten auszugleichen sein.
Auf die exakte Gleislage wird hoher Wert gelegt, weil
diese sich nachhaltig auf die Lebensdauer auswirkt.
Moderne Gleisrichtmethoden und Einbauverfahren
ermöglichen sehr hohe Genauigkeiten. Aufgrund der guten
Erfahrungen bei kürzlich fertig gestellten Tunnels (Neubaustrecke
Mattstetten - Rothrist und Zürich - Thalwil) sind die
Anforderungen sehr hoch gesteckt. Auch die besonderen
Umweltbedingungen in diesem sehr langen Tunnel sind zu
berücksichtigen: Temperaturen bis +40°C, hohe
Luftfeuchtigkeit, möglicherweise anfallendes Bergwasser,
Tropfwasser im Portalbereich (Salzeintrag), Druck- und
Sogkräfte bei 250 km/h, Betonstaub, Bremsstaub, Schienen-/Fahrdrahtabrieb,
Fette/Öle, Gase (H2S). Unter all diesen Bedingungen
dürfen Funktion und Lebensdauer der Fahrbahn nicht
beeinträchtigt werden.
Für das Einbauverfahren ist der Einbau des
Schwellenvergussbetons eine der grössten logistischen
Herausforderungen im Gotthard-Basistunnel: Transportzeiten
von mehr als einer Stunde bis zu den entferntesten
Einbaustellen, hohe Temperaturen und Luftgeschwindigkeiten
bis 5,0 m/s. Höchste Priorität haben die Sicherheit und
die Verfügbarkeit der Gleisanlagen. Auch der Unterhalt im
Betrieb und die spätere Erneuerung spielen eine
wesentliche Rolle in der Planung und Ausführung der
Fahrbahn. Es werden möglichst niedrige Lebensdauerkosten
(LCC) angestrebt. Die Nutzungsdauern einzelner Teilsysteme
müssen optimal aufeinander abgestimmt sein. Im
Havariefall ist ein Konzept gefordert, das eine schnelle
Wiederherstellung der Fahrbahn ermöglicht. Ausserhalb des
Gotthard-Basistunnels gibt es weniger einschneidende Platz-
oder Klimaprobleme. Hier wird der Oberbau der
Neubaustrecke als klassischer SBB-Schotteroberbau mit
lückenlos verschweissten Gleisen gestaltet. Aus
wirtschaftlichen Gründen und wegen der nicht
kalkulierbaren Risiken infolge Setzungen werden
alternative Techniken (z.B. Feste Fahrbahn) nicht
zugelassen.
Für
den Tunnel ist im Bauprojekt Bahntechnik das
Feste-Fahrbahn-System LVT (Low Vibration Track) mit
Zweiblockschwellen in Schwellenschuhen vorgesehen. Diese
Bauart basiert auf einer Entwicklung, die bereits vor 40
Jahren mit dem Einbau einer schotterlosen Fahrbahn auf
Zweiblockschwellen mit Gummischuh im Bözbergtunnel der
SBB ihren Anfang nahm. Seither haben die SBB zusammen mit
der SNCF und der Firma Sonneville International das System
weiter-entwickelt und damit in vielen weiteren Tunnels
gute Erfahrungen gemacht. Das neuste Anwendungsbeispiel
ist der im Jahre 2003 in Betrieb gesetzte Tunnel Zürich -
Thalwil (siehe Foto). Ein grosser Vorteil dieser
Fahrbahnart ist die Austauschbarkeit von Einzelelementen.
Da es keine starre Verbindung von Gleisrost und
Gleistragplatte gibt, ist es sogar möglich, nur auf einer
Schienenseite Schwellen auszutauschen: Schiene lösen und
anheben, Schwellenblock herausheben. Im Gotthard-Basistunnel
liegt die Gleistragplatte direkt auf dem Sohlgewölbe des
Rohbaus auf und wird inklusive Eingiessen des Gleisrostes
in einem Arbeitsgang erstellt. Im Vergussbeton wird keine
Armierung eingebaut, dafür wird dieser zur gesteuerten
Rissbildung alle 4.20 m im Schwellenfach mit Kerbfugen
versehen.
Auch die Konstruktion der acht Weichen vom Typ EW
1600-VI-1600-1:21.5 mit beweglichen Herzstücken auf
schotterloser Fahrbahn sieht Einlagen unter der
Schwellensohle vor, die durch Gummischuhe fixiert sind.
Die Gummischuhe samt Einlagen werden auf die
Weichenbetonschwellen aufgezogen. Die Weiche wird auf den
Untergrund aufgelegt und anschliessend, analog zum
normalen Gleis, nach dem Anheben und Unterstellen mit
Stützkörpern und Richtkeilen genau gerichtet und mit
Füllbeton zwischen den Schwellen verfüllt und
kraftschlüssig verbunden.
Speziell die Weichen gehören im
Hochgeschwindigkeitssystem zu den Komponenten mit den
höchsten Ausfallquoten. Deshalb werden für alle
Weichenbauteile kompakte und wartungsarme Systeme verlangt.
Aufgrund der bereits erwähnten begrenzten
Platzverhältnisse in den Einspurröhren ist ein Einsatz
der standardisierten Weichenantriebe nicht möglich.
Derzeit ist im Tunnel ein Platz sparender hydraulischer
Antrieb vorgesehen. Auch für die Zungenprüfkontakte ist
ein System ohne Prüfergestänge geplant. Ein weiterer
wesentlicher Gesichtspunkt ist die spätere Überwachung
und der Unterhalt. Dieser ist bei der derzeit üblichen
Vorgehensweise mit vorbeugenden örtlichen Kontrollen und
vorbeugender Instandhaltung mit erheblichem personellem
und materiel-lem Aufwand verbunden. Bei einer stark
befahrenen Strecke wie dem Gotthard-Basistunnel
verur-sachen diese Betriebseinschränkungen durch visuelle
Kontrollen und Unterhalt entsprechende Kosten (bzw.
Ertragsausfälle). Aus diesem Grund ist zusätzlich ein
Weichendiagnose-System vorgesehen. Damit werden Daten mit
speziellen Sensoren laufend gemessen, elektronisch erfasst
und an das Tunnel-Control-Center weitergeleitet. So
informiert das System ständig und immer aktuell über den
tatsächlichen Zustand der angeschlossenen Weichen.
Neben
dem sogenannten Amtsvorschlag kann der Unternehmer auch
Unternehmervarianten anbieten. Im Rahmen von gewünschten
Innovationen bei der Fahrbahn im Tunnel soll der
Unternehmer hier sein gesamtes Know-How einbringen können.
Es wird jedoch darauf geachtet, dass die Gesamtstrecke
nicht zum Pilotprojekt oder zur Teststrecke für
verschiedenste Systeme wird. Daher müssen vom SBB-Standard
abweichende Systeme, Komponenten und Verfahren bei einer
der ausländischen Bahnen FS, DB, NS, ÖBB, SNCF, RENFE,
Great Channel Link für Hochgeschwindigkeitsstrecken unter
mit diesem Projekt vergleichbaren Verhältnissen und mit
vergleichbaren Belastungskonzepten zugelassen sein. Solche
im Ausland zugelassenen Systeme, Komponenten oder
Verfahren be-dürfen dann trotzdem noch einer Zulassung in
der Schweiz durch das Bundesamt für Verkehr (BAV) und
einer Qualifikation durch die SBB AG. Für untergeordnete,
nicht sicherheits- und nicht interoperabilitätsrelevante
Komponenten, genügt die Qualifikation durch die SBB AG.
Bei jeder Unternehmervariante wird der Amtsvorschlag als
Rückfallebene vereinbart und muss ausführbar sein. Im
logistischen Bereich sind die Erfahrungen des Unternehmers
ebenfalls stark gefragt. Die zur Verfügung stehende
Bauzeit ist optimal zu nutzen, die Platzverhältnisse sind
begrenzt und der Tunnel ist lang. Es gibt verschiedene
Varianten (z.B. Variation der Anzahl Einbauspitzen) und es
wird hier dem Unternehmer überlassen, eine
wirtschaftliche und einfache, wenig störungsanfällige
und bei unerwarteten Ereignissen flexibel zu handhabende
Methode zu erarbeiten und anzubieten.